FH Magazin

Frauen & Technik – Ganz neue Lösungen

Frauen & Technik

Das ist nichts für Mädchen. So was Schweres musst du dir doch nicht antun! Und dreckig wird man sicher auch …“ Geht es um Technik, herrschen in der Gesellschaft immer noch Vorurteile und unreflektierte Klischees. Mädchen, die sich für ein technisches Studium entscheiden, müssen sich für ihre Wahl oft immer noch rechtfertigen.

Fast scheint es, als würde man Frauen den Einstieg in die Zukunftsbranche mit tollen Job-, Karriere- und Verdienstaussichten nicht nur nicht zutrauen, sondern auch nicht gönnen. Doch an den FHs weht ein ganz anderer Wind. Etwas über 20 Prozent der AbsolventInnen technischer FH-Studiengänge sind heute bereits weiblich. Für diese Frauen sind Berührungsängste kein Thema mehr, im Gegenteil. Sie haben ihren Zugang zur Technik gefunden. In den vergangenen Jahren kristallisierten sich unter den technischen Studienrichtungen einige heraus, für die sich Frauen zunehmend interessieren: dazu zählen die Life Science Technologies, der Bereich Erneuerbare Energien oder aber auch Technik in Kombination mit Wirtschaft, wie zum Beispiel Wirtschaftsinformatik oder Internationales Wirtschaftsingenieurwesen.

Umsetzen und Nutzen
Was Frauen an Technik begeistert? Nicht vorrangig, wie sie funktioniert. Sondern vor allem, wie man sie nutzen kann. Beispiel Medizin: Hier tragen viele technische Innovationen dazu bei, PatientInnen entweder genesen zu lassen oder aber ihre Lebensqualität entscheidend zu verbessern. Als attraktive Studiengänge für weibliche Studierende haben sich daher Medizinische und Pharmazeutische Biotechnologie herausgestellt. Beispiel Energie: Neue Ansätze führen hier zu weniger umweltbelastender Energieerzeugung. Gerade hier werden ExpertInnen in den nächsten Jahren alle Hände voll zu tun haben. Das havarierte Atomkraftwerk in Japan etwa hat die Menschen weltweit aufgeschreckt. Anderen Bereichen haben sich Frauen dagegen erst wenig angenähert: Elektronik, Industrielle Elektronik oder auch Embedded Systems. Die Gründe sind vielschichtig – junge Frauen glauben oft, zu wenig zu wissen und ohne HTL-Matura in einem technischen Studium gar keine Chance zu haben. Das stimmt aber nur in Ausnahmefällen, generell stehen einem auch mit einer AHS-Matura technische Studiengänge offen. Hier gilt es besonders, traditionelle Rollenmuster zu ignorieren, die Frauen von den Chancen und Möglichkeiten technischer Berufe fernhalten.

1000 Euro statt Rosen
Das soll nicht zuletzt durch Aktionen wie „1000 Euro statt Blumen“ nachhaltig geändert werden: So nennt sich eine Initiative von Fachhochschulen und dem Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), bei der jedes Jahr die fünf besten weiblichen Studierenden in technischen Studiengängen an den beteiligten Fachhochschulen ausgezeichnet werden. Die Gewinnerinnen sollen den jüngeren Mädchen als Role Models zeigen, dass man auch in einem technischen Studium erfolgreich sein kann. „Wir wollen Frauen Mut machen und die Berührungsängste vor Technik abbauen“, so FEEI-Geschäftsführer Lothar Roithner. Denn Technikerinnen sind gesuchte MitarbeiterInnen: Frauen bringen eine andere Perspektive ein, gemeinsam mit der männlichen sorgen sie für eine vollständigere Herangehensweise an Problemstellungen. Denn gerade sie wissen oft, wo im Alltag der Schuh drückt, sehen genauer hin. Und finden so zu neuen Lösungen.

Umdenken
Mehr Frauen, die sich trauen, heißt auch: Es kann ein Umfeld entstehen, in dem sich die gesellschaftliche Stellung von Frauen ändert – und technische Studien zur Selbstverständlichkeit werden. Hier versucht zum Beispiel die Regierung durch die ressortübergreifende Initiative fFORTE (Frauen in Forschung und Technologie) den Weg zu ebnen. Einer der Ansatzpunkte sind Mentoring-Programme, die Frauen ermutigen sollen, den Schritt in Männerdomänen zu wagen. Das Projekt „FIT – Frauen in die Technik“ bringt Schülerinnen das Thema näher – umfassend und praxisorientiert.

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