FH Magazin

Darum in die Ferne schweifen

An den österreichischen Fachhochschulen wird internationale Erfahrung großgeschrieben. Und aktiv gefördert und unterstützt.

Manchmal werden ganz große Träume wahr: Es gibt wohl kaum einen IT-Profi, dessen berufliche Idealvorstellung nicht irgendwann einmal mit einem der Big Player im Silicon Valley und einem Arbeitsplatz im Mekka der Informatik zu tun gehabt hat. Für Fabian Lindner ist dieser Traum wahr geworden, und angefangen hat alles mit einem Auslandssemester am bfi Wien: Dieses führte den heute 30-Jährigen im Sommer 2014 an die San Diego State University in Kalifornien. „Das war meine Wunsch-Uni für ein Auslandsemester“, berichtet der Absolvent des Bachelorstudiengangs Projektmanagement und IT von seinem Ziel, das ihm zunächst einiges an Eigeninitiative abverlangt hat. „An meiner Fachhochschule gab es wenige Angebote außerhalb Europas, weswegen ich mich erst selbst darum gekümmert habe“, erinnert er sich. „Aber dann bin ich damit auf jede Menge offene Türen und Ohren gestoßen und hab jede erdenkliche Unterstützung bekommen. Auch wenn die klassischen Formalitäten und Dokumente eher auf das Erasmus-Programm ausgerichtet waren, wurde bei der Anerkennung der Kurse und der Umrechnung von Credits und ECTS-Punkten alles sehr flexibel und kulant gehandhabt und wirklich lösungsorientiert darauf geschaut, was inhaltlich und thematisch für mich Sinn hat.“

Gekommen, um zu bleiben

Und das auch über das eigentliche Auslandssemester hinaus, denn Lindner hatte von Anfang an vor, seinen Aufenthalt unter der Sonne Kaliforniens ein wenig auszudehnen. „Mein Plan war, gleich noch ein Praktikum anzuhängen“, berichtet der gebürtige Deutsche, „entsprechend habe ich mich in Kalifornien dafür beworben und bin tatsächlich im Silicon Valley bei Mercedes Benz F&E genommen worden.“ Dort passierte Fabian Lindner dann das, was bis zu einem Drittel aller FH-Studierenden in ihrem Praktikum erleben dürfen: Er bekam ein Jobangebot für eine feste Anstellung danach. „Das ist schon wirklich ein Traumjob bei einem Traumarbeitgeber“, schwärmt er. Auch Tobias Hofer konnte mit der Unterstützung des Centre for International Education & Mobility (CIEM) an der Fachhochschule Wien der WKW das Auslandsemester an seiner Wunschuniversität verwirklichen. „Ich wollte unbedingt an die Universidad de Los Andes – kurz Uandes – in Santiago“, berichtet der Student der Kommunikationswirtschaft, „und wurde dabei von der FH wirklich gut unterstützt.“ Denn ein paar Hürden waren schon zu überwinden, eine davon war die Tatsache, dass er erst ein Semester zuvor mit dem Spanischlernen angefangen hatte – nicht unbedingt eine ideale Voraussetzung für ein Hochschulstudium in Südamerika. „Aber dann hat die Uandes ein Business-Exchange-Semester auf Englisch angeboten“, erinnert sich Hofer, der durch die guten Kontakte zwischen seiner Fachhochschule und der chilenischen Partneruniversität davon erfuhr und diese Gelegenheit sofort beim Schopf gepackt hat. Wie weit die Betreuung durch seine Heimhochschule reicht, konnte der heute 23-Jährige erfahren, als Chile während seines Aufenthaltes von einem Erdbeben erschüttert wurde, und die Mitarbeiter des CIEM sich sofort erkundigten, ob alles in Ordnung sei oder Hilfe gebraucht würde. Glücklicherweise brauchte es die nicht, da Hofer während des Bebens in der Atacama-Wüste war, denn neben dem Studium in Santiago – dessen Kurse zum Großteil angerechnet wurden – blieb noch genug Zeit für Reisen und das Sammeln von Lebenserfahrung abseits des Hochschulalltags. „Ich habe hier viele neue Freunde gewonnen, von denen mich gerade zwei in Wien besucht haben“, berichtet er, „außerdem Spanisch gelernt und den Unterschied zwischen meiner FH und einer klassischen Universität kennengelernt – bei der alles viel theoretischer und weniger praktisch war“, so Hofer.

Internationalität auch ohne Fremdenlegion

Auf die Unterschiede zwischen den Institutionen ist auch Lorenz Kitzmüller von der Theresianischen Militärakademie schon gespannt: Der Fähnrich bereitet sich gerade auf sein Auslandsemester vor, das er bei der Offiziersschule des Heeres im deutschen Dresden absolvieren wird. Was durchaus einen sprachlichen Hintergrund hat, denn eigentlich war es sein Traum, diese Zeit in Frankreich zu verbringen, da zum dortigen Programm ein zweiwöchiger Trainingsaufenthalt bei der Fremdenlegion in Französisch-Guyana gehört. Wofür aber seine Französischkenntnisse nicht ausreichten, weshalb mit Dresden der zweitgereihte Wunsch Kitzmüllers erfüllt werden konnte. Ausschließlich Deutsch wird er dort aber auch nicht sprechen, „denn in den internationalen Modulen mit den europäischen Kommilitonen der Offiziersausbildung wird auf Englisch unterrichtet“, erklärt er. Außerdem stehe vor allem das Kennenlernen der anderen Strukturen im Ausland und das Knüpfen von Kontakten im Vordergrund dieses Auslandssemesters im Rahmen des Erasmus-Programms, an dem alle akkreditierten Militärakademien teilnehmen. Worauf die Möglichkeiten an seiner FH aber nicht beschränkt waren: „Jedes Jahr gehen einige Kollegen auch nach Westpoint in die USA“, so Kitzmüller.

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