FH Magazin

Kein Thema mehr

Klischees über Frauen und Technik waren gestern, heute sind Frauen in technischen Studiengängen völlige Normalität.

An Österreichs Fachhochschulen begegnet man sich längst auf Augenhöhe: „Wir sind vielleicht noch in der Unterzahl, aber die Akzeptanz ist da“, bringt es Claudia Schwarz, Studentin im vierten Semester des Masterstudiengangs Energie- und Umweltmanagement an der FH Burgenland, auf den Punkt. Auch für Johanna Schätz, im sechsten Semester des Bachelorstudiengangs Öko Energietechnik auf dem Campus Wels der FH Oberösterreich, war das Thema „Frauen und Technik“ keines mehr: „Wir sind von Anfang an alle gleich behandelt worden, da war kein Unterschied“, erinnert sich die 27-Jährige, „man hatte das Gefühl, es ist schön, dass man da ist. Gegenwind hat es nie gegeben, auch vor dem Studium in meinem Umfeld nicht.“ Und auch für Marina Schreder, die im sechsten Semester des Bachelorlehrgangs Gesundheitsinformatik/eHealth an der FH Joanneum studiert, gab es auf ihrem Ausbildungsweg höchstens überraschte, aber nie negative Reaktionen: „Ich habe vorher an der FH Salzburg eine Krankenpflegeausbildung gemacht und dann in der Praxis festgestellt, dass das nicht das Richtige für mich ist. Und da ich schon immer an Computern interessiert war, habe ich dann meine Liebe zur Informatik entdeckt, und die Mischung aus Medizin und Informatik in meinem Studiengang ist für mich einfach perfekt“, erklärt sie ihren Werdegang von einem eher typischen Frauenberuf in die vermeintliche Männerdomäne Informatik. Die aber wie so viele technische Berufe bereits jede Menge Expertinnen aufweist. So findet sich in etlichen der rund 160 Studiengänge aus dem Bereich Technik und Ingenieurwesen der österreichischen Fachhochschulen ein Geschlechterverhältnis von 50 zu 50, vor allem Bereiche wie Biotechnologie, Biomedical Engineering, medizinische oder pharmazeutische Biotechnologie oder erneuerbare Energien ziehen Studentinnen an. Bei Studiengängen wie Elektrotechnik oder Mechatronik/ Robotik ist noch etwas Luft nach oben – allerdings nur, was die Anzahl der weiblichen Studierenden angeht. Auf dem Arbeitsmarkt sind die Absolventinnen all dieser Studienrichtungen begehrte Kräfte. Zum einen erkennen mehr und mehr Arbeitgeber die Bedeutung von Geschlechterdiversität für erfolgreiche Teams, zum anderen spielt gerade in größeren Unternehmen auch die Frauenquote eine Rolle bei der Suche nach weiblichen Know-how-Trägern.

Begehrte Expertinnen

Weshalb Arbeitgeber, die solche Absolventen bereits an Bord haben, sich bemühen, diese zu halten. Eine Erfahrung, die auch Claudia Schwarz machen durfte: „Ich habe vor meinem Studium in einem technischen Planungsbüro gearbeitet“, berichtet die 25-Jährige, „und mein Arbeitgeber hat mich dann sehr unterstützt und es mir ermöglicht, Stunden zu reduzieren. Denn dieses Studium war für mich und die Firma interessant.“ Wie selbstverständlich ihre Expertise auch über die Grenzen Österreichs hinaus geschätzt wird, hat Schwarz dann im Rahmen des Projekts „Aufbau eines nachhaltigen Energiesystems für Luduga“ der FH Burgenland feststellen können, als sie gemeinsam mit Mitstudierenden in das tansanische Dorf reiste, um sich dort mit dem Thema Wasser/Wasseraufbereitung zu beschäftigen. Auch hier war von alten Vorurteilen nichts mehr zu spüren: „Man merkt natürlich, dass es in diesem Dorf eine andere Rollenverteilung gibt, aber die Akzeptanz uns allen gegenüber war sehr positiv“, berichtet die Studentin. „Und vor allem die Frauen dort haben uns angesprochen und wollten von uns lernen, wie das mit dem Strom funktioniert.“

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