FH Magazin

Wissen was man wert ist

Grau ist alle Theorie: Was das Wissen wert ist, das man im Lauf eines Studiums zusammenträgt, stellt sich erst dann heraus, wenn man in der Praxis mit den Herausforderungen des echten (Arbeits-)Lebens konfrontiert ist. Wer an einer österreichischen Fachhochschule studiert, findet das relativ früh heraus, denn in der Regel gehören hier mindestens drei Monate, wenn nicht sogar ein ganzes Semester Praktikum fix zum Bestandteil der Ausbildung. Und sorgen bei der überwältigenden Mehrheit der Studentinnen und Studenten für die Gewissheit, dass sie den Herausforderungen ihres Fachgebietes gewachsen sind. Bis zu einem Drittel von ihnen kann danach sogar schon mit dem guten Gefühl weiterstudieren, dass sie sich um die Arbeitsplatzsuche gar nicht mehr kümmern müssen, weil sie schon während des Praktikums ein Jobangebot des Unternehmens bekommen haben. 

KMU oder Konzern 
Bei der Entscheidung, wo und in welchem Unternehmen das Praktikum absolviert wird, haben die Studierenden großen Spielraum, so lange es thematisch zum Studium passt. Wer beispielsweise im elterlichen Betrieb oder beim eigenen Arbeitgeber sein Wissen unter Beweis stellen möchte, kann das genauso dort tun wie in einem internationalen Konzern. Gern genutzt wird dabei auch die Gelegenheit, das Schnuppern von Praxisluft mit dem Kennenlernen fremder Kulturen zu kombinieren. Zu den Studierenden, die sich für diese Kombination entschieden haben, gehört beispielsweise Lukas Heschl, der am Campus Hagenberg der FH Oberösterreich Kommunikation, Wissen, Medien im Bachelor studiert und für sein Praktikum nach Shanghai gegangen ist. Dort konnte er nicht nur bei „Web2Asia“ – einem Unternehmen, das Marketing für europäische Firmen in China macht – hautnah miterleben, wie das in Ländern, in denen beispielsweise Google gesperrt ist, funktioniert. Sondern auch das Geschäft am berüchtigten Singles Day am 11. November miterleben. „Das ist, ähnlich wie der Black Friday in den USA, jedes Jahr der Tag, an dem Rekord-Umsätze in den Online-Shops erzielt werden“, erklärt er. „Da dabei gewesen zu sein, ist natürlich großartig“, blickt er auf einzigartige Erfahrungen zurück. Und auch wenn die strikte Visa-Politik Chinas die Möglichkeiten, dort zu arbeiten, massiv einschränkt, hat der 23-Jährige schon jetzt durch seine Kontakte gute Karten. „Ich bleibe auf jeden Fall mit meinem dortigen Chef in Kontakt und er hat mir gesagt, wenn ich etwas suche, soll ich mich bei ihm bewerben.“ 

Arbeitsalltag in Abu Dhabi
Sabrina Fuchs hat sich bei der Entscheidung für ihr Praktikum nicht nur der Herausforderung gestellt, ihr theoretisches Wissen im Berufsalltag in einem fremden Land unter Beweis zu stellen, sondern sich dabei auch noch als Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft zu behaupten. „Ich habe mein Praktikum bei der Firma HCL Technologies in Abu Dhabi absolviert“, berichtet die Studentin des Bachelorstudiengangs „Internationale Wirtschaft und Management“ an der FH Kufstein Tirol. „Und habe dabei vor allem Durchsetzungsvermögen als Frau in einer stark männerdominierten Firma und Kultur gelernt, aber auch Geduld, da alle Abläufe länger dauern als in Europa.“ In dem internationalen IT-Unternehmen war die 23-Jährige im Projektmanagement tätig. Besonders interessant waren die Meetings. Außerdem konnte sie Interviews mit Personen verschiedener kultureller Hintergründe zum Thema ihrer Bachelorarbeit „Kommunikationsverhalten in einer multikulturellen Organisation“ führen. „Die Zeit in den Emiraten war für mich sehr lehrreich aber nicht immer einfach. Im Nachhinein betrachtet habe ich vieles gelernt, was mir während der Praktikumszeit nicht so sehr bewusst war“, fasst sie diese spannende Zeit ihrer Ausbildung zusammen. 

Erfahrungen mit „Big Data“ 
Auch Dariia Strelnikova hat ihr Praktikum im Ausland absolviert – und konnte dabei mit der Unterstützung ihrer FH gleich mehrere Wünsche verwirklichen. „Ich habe Ende 2016 ein Marshall-Plan-Stipendium erhalten, das mir erlaubt hat, in den USA an dem gemeinsamen Projekt „Comparing the Suitability of Strava and Endomondo GPS Tracking Data for Bicycle Travel Pattern Analysis“ der FH Kärnten und der Universität Florida zu arbeiten,“ berichtet die Studentin des Bachelor-Studiengangs Geoinformation an der FH Kärnten. Bei diesem Projekt ging es darum, die Daten von Fitness-Apps von RadfahrerInnen für weitere Analysen zu nutzen. 

Familiäre Verpflichtungen kein Hindernis 
„Ich habe meinen sechsjährigen Sohn mitgenommen“, berichtet Strelnikova, was bestätigt, dass Auslandsaufenthalte auch für Mütter möglich sind – wobei im konkreten Fall eine Tante in Florida sehr hilfreich war. Dank der günstigen Rahmenbedingungen konnte sich die 31-Jährige ganz auf das Auswerten der Daten konzentrieren, die ihr durch die Kooperation zur Verfügung standen. „In Österreich hat man meistens verhältnismäßig kleine Datenmengen, dort habe ich zum ersten Mal das Konzept des Big Data erlebt und wirklich mit Milliarden Einträgen arbeiten können“, berichtet sie. Und so gern sie wieder zurückgekommen ist, „so toll war es auch, die Unterschiede zwischen den Arbeitswelten in Österreich und den USA kennenzulernen.

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