FH Magazin

Aha-Erlebnisse, Spielregeln und Jobangebote

Die verpflichtenden Berufspraktika während des FH-Studiums ermöglichen wichtige Einblicke in die Berufsrealität und bringen wertvolle Kontakte.

Dass Theorie und Praxis zwei Paar Schuhe sein können, erfahren viele Studierende erst, wenn sie ihr erlerntes Wissen nach dem Abschluss umsetzen müssen. Was mit unschönen Überraschungen einhergehen kann, vor denen die Fachhochschulen ihre Absolventen und Absolventinnen von Anfang an bewahren. Denn schon in den (Vollzeit-) Bachelorstudiengängen sind mindestens drei Monate, zumeist ein ganzes Semester, Berufspraktikum Teil der Ausbildung, die den Studentinnen und Studenten spannende Einblicke in die berufliche Realität gewährt – und die Gelegenheit bietet, bei einem potenziellen Arbeitgeber positiv aufzufallen. Mehr als ein Drittel der FH-Studierenden kommt nach dem Ende des Praktikums bereits mit einem Jobangebot in der Tasche zurück, oder hat einen Nebenjob gesichert, der nicht nur das Budget aufbessert, sondern auch den Lebenslauf. Zudem sorgt ein Praktikum für Einblicke in den Arbeitsalltag, die sich im Hörsaal einfach nicht gewinnen lassen. „Dazu gehören Dinge wie die direkten und indirekten Spielregeln, die in Unternehmen gelten und nicht immer offen kommuniziert werden“, weiß Martin Prasch, der soeben seinen Bachelor „Logistik und Transport“ an der FH des BFI Wien abgeschlossen hat, jetzt den Master anschließt, und statt des einen Pflichtpraktikums während seines Bachelorstudiums gleich drei absolviert hat.

Blickwinkel der Angestellten

Während der ersten Sommerferien hat der angehende Logistiker bei der Medien.Zustell.GmbH der Post Erfahrungen in Sachen Vertriebslogistik gesammelt; im Sommer darauf hat der heute 22-Jährige beim Busunternehmen Gschwindl als Disponent gearbeitet „und gelernt, wie viel Stress und welchen Wert für das Unternehmen die Angestellten dort haben.“ Seine wichtigsten Gründe, warum er seine Sommerferien nicht am Strand, sondern in Logistikunternehmen verbracht hat: „Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, die Abläufe und Tätigkeiten kennenzulernen, um später nicht von oben herab Fehlentscheidungen zu treffen.“ Sein „großes“ Praktikum hat Prasch dann bei DB Schenker absolviert, und hielt danach ein Jobangebot in den Händen, das aber derzeit noch hinter dem Studium zurückstehen muss. Deutlich mehr Praktika als der Durchschnittsstudent kann auch David Riegler vorweisen. Er ist Student im Bachelorstudiengang „Radiologietechnologie“ an der FH Campus Wien. „Bei uns gibt es in jedem Semester Praktika, die jeweils an das Thema geknüpft sind, das wir in den Vorlesungen behandeln wie Röntgen, Computertomographie oder Angiographie.“

Wert der Theorie begreifen

Die Praktika helfen nicht nur, die Abläufe in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen zu verstehen, sondern auch die Bedeutung so manches theoretischen Wissens, dem man vorher vielleicht nicht den nötigen Wert beigemessen hat. „Da versteht man dann erst so richtig, warum man manches eigentlich lernt, und hat so einige Aha-Erlebnisse“, erzählt der 21-Jährige, der inzwischen schon im Diagnosezentrum Urania, im Meidlinger UKH, der Radiologie Hernals, dem Kaiser-Franz-Josefs-Spital und dem Wiener AKH Praktika absolviert hat. Diese Vielfalt an Einsatzorten weiß er auch sehr zu schätzen, weil sie dabei hilft herauszufinden, wo man später einmal arbeiten will. In Rieglers Fall ist es der Schockraum des AKH – und seine Chancen, dort nach dem Abschluss zum Einsatz zu kommen, stehen gut. „Bei meinem Abschlussgespräch dort hat man mir gesagt, ich könne mich bewerben, sobald ich fertig sei“, freut er sich über die Kontakte, die dort entstanden sind.

Breites Angebot der Unternehmen

Kontakte, die für FH-Studentinnen und -Studenten leichter zu knüpfen sind als für andere, denn auf den regelmäßig veranstalteten Karriere- oder Jobmessen ihrer Hochschulen sind alle spannenden Unternehmen Österreichs vertreten, die gut ausgebildete Praktikantinnen und Praktikanten suchen. Das konnte auch Michael Schütz feststellen, der an der FH Joanneum den Masterstudiengang „Electronics and Computer Engineering“ absolviert und sich seinen Praktikumsplatz regelrecht aussuchen konnte. „Als mein Pflichtpraktikum während des Bachelors anstand, bin ich zur Future Engineers Messe bei uns an der FH gegangen, dort waren jede Menge Firmen aus ganz Österreich“, berichtet er. Schütz’ Favorit war aber klar die NXP Semiconductors, an deren Stand der angehende Praktikant die Visitenkarte eines Mitarbeiters bekam, an den er seine Bewerbung schicken sollte. „Das habe ich natürlich sofort gemacht, eine Woche später hatte ich eine Einladung zum Bewerbungsgespräch, drei Wochen nach der Messe die Zusage“, erinnert er sich gern an den kurzen Weg zum Praktikumsplatz. Dieser hat ihm letztendlich nicht nur Berufserfahrung, sondern auch ein Projekt für seine Bachelorarbeit eingebracht – und ein Jobangebot, das aber noch warten muss, bis der Master absolviert sein wird.

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