FH Magazin

Die richtige Entscheidung

Sophie arbeitet im Management eines regionalen Technologieunternehmens, Phillip ist Media-Experte und gern in der Welt unterwegs. Was sie gemeinsam haben? Sie haben an einer FH studiert. Wir haben sie befragt, warum und wie es da so ist.

An einem freien Tag über Beruf und Studium zu reden mag öde klingen – ist es aber ganz und gar nicht. Und dabei wollten wir alles ganz genau wissen. Denn wer weiß besser Bescheid über die Fachhochschulen als jene, die sie absolviert haben?

Warum habt ihr an einer FH studiert?

Sophie: Ich habe mir schon sehr genau überlegt, ob ich an einer Uni oder einer Fachhochschule studieren will, und mit vielen Bekannten aber auch meinen Eltern diskutiert, was der richtige Weg für mich ist. Letztendlich gab den Ausschlag die Tatsache, dass die Ausbildung viel praxisorientierter ist, und auch der straff organisierte Zeitplan des Vollzeitstudiums im Bereich Life Sciences und der damit verbundene raschere Abschluss kam mir persönlich entgegen.

Phillip: Bei mir war es das Gegenteil: Für mich war die zeitliche Flexibilität wichtig. Da ich vor dem Studienbeginn schon im Berufsleben stand und es notwendig war, berufsbegleitend zu studieren und mir mein Pensum selbst einteilen zu können. Und zu wissen, dass ich in meiner knappen Zeit gut betreut werde und ohne Wartezeiten wirklich mit den neuesten Materialien und Computerprogrammen arbeiten kann, war schon auch ein Kriterium für mich.

Und haben diese Vorstellungen dann der Realität standgehalten?

Sophie: Am Anfang war ich mir noch unsicher, ob ich nicht vielleicht doch lieber ein weniger straff organisiertes Studium hätte wählen sollen – so kurz nach der Schule will man ja auch ein wenig Freiheit und das Leben genießen. Aber dann habe ich es sehr zu schätzen gelernt, dass meine Mitstudierenden zur gleichen Zeit freihatten und es auf dem Campus so viele Möglichkeiten gab, neue Leute kennenzulernen und gemeinsam etwas zu unternehmen.

Philip: Meine Erwartungen wurden absolut erfüllt, und ich wusste von Anfang an: Das ist der richtige Weg für mich. Etwas skeptisch war ich zunächst hinsichtlich des Praktikums, das kam mir in meiner Situation irgendwie albern vor. Da meine Studiengangsleitung dann aber für mich einen Weg gefunden hat, dass ich das Praktikum in „meinem“ damaligen Betrieb absolvieren konnte und es trotzdem ein integraler Bestandteil meines Studiums wurde, haben sich die Zweifel schnell gelegt.

Sophie: Das Praktikum ist mir auch erst im Magen gelegen, schließlich war das mein erster Kontakt mit der richtigen Arbeitswelt. Aber es lohnt sich, da über den eigenen Schatten zu springen, ich hab unheimlich viel gelernt in meinem Praxissemester und dort tolle Kontakte geknüpft.

Wie leicht oder schwer war es denn für euch, nach dem Abschluss einen entsprechenden Job zu bekommen?

Sophie: Ehrlich gestanden hatte ich schon nach meinem Praxissemester ein Angebot, aber ich wollte mich nicht so schnell festlegen und erst einmal weiterschauen, was es so gibt. Daher hab ich die Karrieremessen super gefunden, auf denen man potenzielle ArbeitgeberInnen kennenlernt. Und wie in meinem Fall vielleicht dann trotzdem zu dem Schluss kommt, dass das Angebot des Praktikumsbetriebes eines ist, das man nicht ablehnen sollte (lacht).

Phillip: Bei mir als berufsbegleitendem Masterstudenten war das nicht so ein großes Thema, ich hatte ja schon einen Job. Aber ich wollte natürlich nach meinem Abschluss auch mehr erreichen und einen Schritt weiterkommen. Dabei haben mir die Trainings in Sachen „Wie präsentiere ich mich richtig“ und die Gespräche darüber, wie ich meinen Wert richtig einschätze, sehr geholfen. Heute habe ich deutlich mehr Verantwortung – und auch das entsprechend bessere Gehalt.

Habt ihr die Möglichkeit eines Auslandssemesters genutzt?

Sophie: Ich schon, und es war eine sensationelle Erfahrung – wenn auch ganz anders, als ich es mir ausgemalt hatte. Denn wie wohl die meisten hatte ich mir als Studienanfängerin vorgestellt, an eine Partnerhochschule „im Warmen und am Meer“ zu gehen. Das hätte ich natürlich auch tun können, aber das Internationale Office an meiner Fachhochschule hat mich wirklich gut beraten und mir verdeutlicht, dass die beliebtesten Urlaubsorte nicht unbedingt auch die sinnvollsten Ziele für ein Auslandssemester sind. Ich habe dann angefangen, mich mit Programmen von anderen Hochschulen zu beschäftigen, und bin daraufgekommen, dass für mein ganz persönliches Berufsziel die Hochschule für Wirtschaft und Medien im deutschen Calw genau das richtige Programm anbietet. Und die Zeit dort war nicht nur beruflich, sondern auch persönlich eine der wertvollsten meines Lebens. Auch wenn es dort weder Palmen noch einen Meerzugang gibt.

Phillip: Ehrlich gestanden, hat es für mich kein Auslandssemester gegeben. Es wäre aufgrund meiner beruflichen Verpflichtungen schwierig geworden, aber dann ist noch ein familiärer Krankheitsfall dazugekommen, der es mir wirklich unmöglich gemacht hat. Ich habe in dieser Zeit aber die Flexibilität, mit der eine Lösung für mich gesucht und gefunden wurde, sehr zu schätzen gelernt. Und hatte darüber hinaus ja auch durch die GaststudentInnen auf unserem Campus Gelegenheit, internationale Kontakte zu knüpfen. Als kleinen Ersatz für mein verpasstes Auslandssemester habe ich mich im Buddy-System als Betreuer für einen Mitstudenten von der Partnerhochschule im chinesischen Wuhan zur Verfügung gestellt, und wir sind heute noch in Kontakt.

Seid ihr überhaupt noch in Kontakt mit ehemaligen Mitstudierenden?

Phillip: Absolut! Auf dem Campus sind für mich viele Freundschaften entstanden, die immer noch halten, auch wenn wir alle inzwischen Jobs in ganz Österreich und der Welt haben. So eine Zeit verbindet einfach.

Sophie: Das stimmt wirklich. Und „meine“ FH sorgt dafür, dass auch technikaffine Menschen wie ich, die ja bekanntlich nicht ganz so gut im Pflegen sozialer Kontakte sind, regelmäßig Gelegenheit haben, sich mit anderen AbsolventInnen auszutauschen. Da finden Vorträge oder Kochabende statt, vor zwei Jahren hab ich an einer organisierten Reise meines Alumni-Clubs teilgenommen und das sehr genossen.

Wo seht ihr denn noch Verbesserungsbedarf, was das Studium an den Fachhochschulen angeht?

Phillip: Mich stört es manchmal, dass es immer noch Imageprobleme mit dem FH-Abschluss gibt, vor allem, weil ich sie so gar nicht nachvollziehbar finde. Zwar schließt sich inzwischen auch gehaltsmäßig die Lücke zwischen den Einstiegsgehältern von Uni- und FH-Studierenden, aber ich finde es einfach ungerecht.

Sophie: Mich stört das auch manchmal, das Vorurteil, dass bei uns zum Beispiel die Forschung zu kurz komme. Ich kann zu meinem Bereich nur sagen, dass ich Forschungsmöglichkeiten und eine technische Ausstattung hatte, von denen andere nur träumen – und trotzdem halten sich diese alten Klischees. Aber letztendlich kann es mir egal sein, ich weiß, was ich kann, und meine Chefin auch.

Phillip: Das tue ich auch – und muss sagen, dass es in meinem Fachbereich mittlerweile zumindest von den Personalverantwortlichen überall so gesehen wird.

Und was kommt als Nächstes?

Sophie: Ich bin erst einmal glücklich damit, wohin mich mein Abschluss gebracht und mir so eine tolle Tätigkeit hier in meiner Region ermöglicht hat. Und freue mich, das jetzt für eine Weile zu genießen.

Phillip: Und ich überlege mir, nächstes Jahr noch einen PhD anzuhängen – und noch einmal Hochschulluft zu schnuppern.

 

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