FH Magazin

Grenzenloses Wissen erwerben

Ohne interkulturelle Kompetenzen geht in der Wirtschaft heute nur noch wenig. Mit der Unterstützung der Fachhochschulen können diese hautnah vor Ort gewonnen werden.

Die Welt ist ein Buch, und wer nicht reist, liest davon nur eine einzige Seite“, wusste schon Augustinus Aurelius im vierten Jahrhundert nach Christus. Und die Bedeutung internationaler Erfahrungen ist im Berufsleben des dritten Jahrtausends nicht geringer geworden. Weshalb Auslandserfahrungen und interkulturelle Begegnungen zum Studienprogramm der österreichischen Fachhochschulen dazugehören. Und das nicht nur als Lippenbekenntnis oder freundliche Empfehlung, vielmehr sorgen die Fachhochschulen mit ihren International Offices und Partnerhochschulen sowie wirtschaftlichen Kontakten in der ganzen Welt dafür, dass den Studenten und Studentinnen der Weg ins Ausland so leicht wie möglich gemacht wird. Dafür stehen Expertinnen und Experten den Studierenden mit Rat und Tat zur Seite, helfen bei Visa-Themen und Förderungsmöglichkeiten genauso wie bei der unkomplizierten Anrechnung der im Ausland erworbenen ECTS-Punkte oder der Organisation von Joint- und Double-Degree-Studiengängen in Kooperation mit Partneruniversitäten.

Studieren in Finnland und Peking

Davon, wie sich diese Möglichkeiten in der Praxis umsetzen lassen, kann Georg Feichtinger berichten, der seinen Masterstudiengang „Global Sales und Marketing“ heuer mit einem Double Degree der Fachhochschule Oberösterreich und der University of International Business and Economics in Peking abschließen wird. Auch vor seinem Auslandssemester in China hat er schon begeistert von den internationalen Angeboten der Fachhochschulen Gebrauch gemacht. Bereits im Bachelorstudiengang hatte der heute 26-Jährige ein Auslandssemester im finnischen Tampere verbracht, ehe er sich im Master dann für einen noch deutlich mutigeren Schritt nach China entschied. „Das war schon noch einmal von Grund auf etwas anderes“, berichtet er, „aber ich wollte auch diesen Abenteueraspekt erleben, denn in der EU zu studieren ist doch zumindest ähnlich von der Kultur her, aber nach China zu gehen, in eine 23-Millionen-Einwohner-Stadt, das ist komplett anders.“ Feichtinger konnte die beiden Abenteuer aufgrund seiner Erfahrungen direkt vergleichen: Der Weg nach Finnland war weitgehend über die FH organisiert, es wurde der Kontakt mit der Partneruni hergestellt, bei der Organisation einer Unterkunft geholfen und auch schon vor der Abreise der Kontakt zu einem örtlichen ,Buddy‘ hergestellt, „der mich dann in Tampere direkt am Bahnhof abgeholt und in meine Unterkunft gebracht hat“, erzählt Feichtinger. Der Schritt nach China sei dagegen eine ganz andere Hausnummer gewesen, auch wenn ihm das International Office auch dieses Mal wieder mit Rat und Tat zur Seite gestanden sei, als Anlaufstelle diente und die Formalitäten mit der Partneruni in China geregelt habe. „Aber dort wartet dann kein Buddy auf einen“, berichtet Feichtinger lachend.

Kommunikation mit Händen und Füßen

Es sei jedoch auch eine spannende Erfahrung gewesen, in einer so fremden Welt zurechtzukommen und aus dieser dann wieder ganz andere Dinge mitzunehmen. „Man lernt durchaus, die Heimat wieder zu schätzen, wenn man einmal eine Woche unter einer Rauchwolke gelebt hat. Dafür lernt man, neben den für das Wirtschaftsleben so wichtigen kulturellen Unterschieden, auch, dass Kommunikation auch mit Händen und Füßen erfolgreich sein kann, man nicht immer überall pingelig sein darf, was Hygienestandards angeht, und dass Essen, das nicht gut aussieht, trotzdem gut schmecken kann“, erinnert er sich. Erfahrungen, die für Thomas-Ferdinand Perktold trotz allem noch in die Kategorie „luxuriös“ fallen. Denn der Bachelorstudent an der FH Theresianische Militärakademie, der heuer seinen Studiengang „Military Leadership“ abschließen wird, hat sich während seiner Ausbildung auf noch deutlich abenteuerlichere Umstände eingelassen – und das nicht bereut.

Überlebenstraining mit der Fremdenlegion

Der 24-Jährige hat im Rahmen seines Studiums ein Auslandssemester in Politikwissenschaften an der Offiziersschule des französischen Heeres absolviert, und dabei auch ein dreiwöchiges Überlebenstraining der Fremdenlegion im Dschungel von Französisch-Guayana mitgemacht. „Das war schon eine extreme Erfahrung, aber mich hat auch diese körperliche Herausforderung gereizt“, berichtet er. Die, wie erwartet, gewaltig gewesen sei, aber auch dazu geführt habe, „dass man mit viel Selbstvertrauen zurückkommt und sich so schnell von nichts mehr einschüchtern lässt“, wie er berichtet. Wobei der körperliche Aspekt nur ein Faktor sei, viel wichtiger seien bei den Auslandseinsätzen der Studierenden die internationalen Erfahrungen, ohne die es heute nicht mehr gehe. „Fast alle Einsätze sind heute von Internationalität geprägt, und dabei treffen viele Kulturen, Sprachen und Armeen aufeinander“, weiß der angehende Truppenoffizier, „deshalb ist das vierte Semester als internationales Semester angelegt.“ In dem gehen die Studierenden der Militärakademie dann an Partnerhochschulen in aller Welt, um Sprach- und kulturelle Barrieren abzubauen, und zu verstehen, wie die Ausbildung in Frankreich, den USA oder Deutschland angelegt ist. Darüber hinaus gibt es Praktika bei befreundeten Armeen. Perktold absolvierte ein solches ein Jahr nach seiner Dschungelerfahrung bei der deutschen Bundeswehr, wo er unter anderem in der Flugsicherung ausgebildet wurde. Und auch von dort hat er nicht nur reines Fachwissen, sondern ganz persönliche Erfahrungen mitgebracht: „Allein zu sehen, dass auch so eine große Armee nur mit Wasser kocht und wir in Österreich im Vergleich top ausgebildet werden, schafft ein neues Selbstvertrauen.“

Einblicke in Brüssel und Tokio

Einblicke in zwei Kulturen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, hat auch Christina Purrer im Rahmen ihres Studiums bereits gewinnen können. Die Studentin des Bachelorstudiengangs „Exportorientiertes Management“ an der IMC Fachhochschule Krems hat zunächst an der Nihon University College of Economics in Tokio ihr Auslandssemester absolviert, und dann nahtlos ein Praktikum beim Verbindungsbüro des Landes Niederösterreich in Brüssel begonnen. „Dazwischen bin ich nicht einmal mehr nach Hause gekommen, sondern habe mir gedacht, wenn ich schon weg bin, dann bleib ich auch gleich weg“, erzählt die 21-Jährige. Möglich geworden ist dieser nahtlose Übergang auch durch die Unterstützung ihrer FH, „die wirklich groß war, und mir immer die Möglichkeit gegeben hat, mich an sie zu wenden.“ Und das schon von Anfang an: „Schon in der ersten Woche an der FH hat es eine Experience-Fair gegeben, auf der sich verschiedene Arbeitgeber vorgestellt haben, aber auch Studierende, die im Jahr zuvor im Ausland gewesen waren, haben von ihren Erfahrungen berichtet.“ Zusätzlich gab es Vorträge sowie eine Online-Plattform, auf der Erfahrungen vorheriger Absolventinnen und Absolventen zu finden waren. „Und auch während man im Ausland ist, sind die Studiengangsleiterinnen und -leiter immer ansprechbar. Sie schreiben alle zwei Wochen ein E-Mail, und fragen, wie es einem geht“, berichtet Purrer. Diese Unterstützungen helfen den Studentinnen und Studenten an den heimischen FHs, sich bei ihren weltweiten Einsätzen auf die Inhalte, die fremden Kulturen und vor allem auch das Knüpfen internationaler Kontakte konzentrieren zu können. Denn darin sind sich alle einig: Die Freundschaften, die in diesen Semestern entstehen, gehören auch lang nach der Rückkehr zu den besten Dingen, die man in der Fremde gefunden hat.

AUF EINEN BLICK

- Welche Wege?

Internationale Erfahrungen können die Studentinnen und Studenten der FHs auf unterschiedlichsten Wegen machen, die gängigsten führen über ein oder zwei Auslandssemester oder ein studienrelevantes Praktikum.

- Wohin führt das?

Durch das ECTS-Punktesystem ist die Anerkennung von Studienteilen, die im Ausland absolviert werden, kein Problem. Darüber gibt es jede Menge Partnerabkommen mit Hochschulen weltweit, die auch Joint- und Double-Degree-Abschlüsse ermöglichen.

- Wer hilft?

Anlaufstelle an den FHs ist das International Office, das den heimischen Studierenden dabei hilft, ihren Weg in die Welt zu finden. Ebenso unterstützt es die internationalen Gaststudentinnen und -studenten dabei, sich in Österreich und am Campus zurechtzufinden.

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