FH Magazin

Von Anfang an in der Forschung involviert

Labore, Projekte und Aufträge stehen an Österreichs Fachhochschulen allen offen, die bereit sind, sich zu engagieren. Und das ohne Wartezeiten und mit Technik auf dem neusten Stand.

Manchmal sind es gerade die Dinge, die es nicht gibt, die die Entscheidung für ein Studium an einer Fachhochschule erleichtern. Wie zum Beispiel Wartezeiten, bürokratische Hürden oder Hierarchien, die den Zugang zu Forschungsprojekten erschweren, oder zumindest verzögern. Wer an einer FH studiert, muss sich darüber kaum Sorgen machen; wer willens ist, sich wirklich einzubringen und sich engagiert, hat von Anfang an die Möglichkeit, an Forschungsprojekten mitzuarbeiten. Bereits im Bachelorstudium haben die Studentinnen und Studenten dazu Gelegenheit, beispielsweise Datenerhebungen oder Recherchetätigkeiten durchzuführen; später im Masterstudium können dann auch eigenständige Projekte übernommen werden. Das macht die Studierenden auch zu begehrten Kräften auf dem Arbeitsmarkt, denn an den FHs wird anwendungsbezogen geforscht. Das bedeutet, dass die Absolventen und Absolventinnen neben dem wissenschaftlichen Arbeiten auch lernen, was der Markt braucht. Dazu wird mit heimischen Unternehmen zusammengearbeitet – von Pharmafirmen über Softwareentwickler bis zum Autohersteller –, die Forschungsaufträge an die FHs vergeben. Und im Gegenzug natürlich dafür sorgen, dass die Studierenden auch die modernsten Mittel und Technologien für ihre Projekte zur Verfügung haben.

Projekte für Big Player

Wie eine solche Zusammenarbeit mit einem der heimischen Big Player aussieht, hat Silvia Kröll in ihrem Masterstudiengang „Leadership im Tourismus“ erlebt, als sie einen großen Projektauftrag für die Austrian umsetzen konnte. „Die Austrian ist an meine FH herangetreten, um die Arbeitgebermarke Austrian untersuchen zu lassen“, erklärt die 24-Jährige. Die Fluglinie wollte herausfinden, wie Arbeitsuchende, Beschäftigte und ehemalige Beschäftigte das Unternehmen wahrnehmen; die Hochschule betraute die Studentin während ihres zweiten Mastersemesters mit dieser Aufgabe. „Vorgegeben waren die Zielgruppen und die Fragen, wir haben dann die quantitative und qualitative Evaluierung durchgeführt“, berichtet sie. Gemeinsam mit Studierenden des Bachelorstudiengangs wurden die Fragebögen erstellt, für die Qualitätssicherung waren dann die Masterstudentinnen und -studenten zuständig. Über 400 Personen wurden über drei Plattformen befragt, die Antworten ausgewertet und dann dem Auftraggeber übergeben –, wobei die mitwirkenden Studierenden sehr wohl mit vor den Vorhang gebeten wurden. „Die Ergebnisse haben wir dann zu viert bei der Austrian präsentiert“, erinnert sich Kröll, „die waren sehr begeistert und haben gesagt, dass sie die Resultate auf jeden Fall in ihre Arbeit einfließen lassen werden.“

„Spürbares Anliegen“

Und wie hat sie es geschafft, in das Projektteam aufgenommen zu werden? „Grundsätzlich ist es so: je besser man im fachwissenschaftlichen Arbeiten ist, desto stärker wird man involviert“, erklärt sie. Es sei einfach spürbar, dass es den Dozentinnen und Dozenten an den Fachhochschulen ein Anliegen sei, Studentinnen und Studenten in Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu integrieren. „Wenn man die Lehrenden im Unterricht wissen lässt, dass man bereit ist, Zeit zu investieren, ist es kein Problem, in die Forschung und Entwicklung hineinzukommen“, so Kröll.

Bewilligte Budgets

Das bestätigt auch Elias Eder, Student im vierten Semester des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Energietechnik und Energiewirtschaft“ an der FH Vorarlberg, und seit Kurzem auch wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungszentrum Energie der FH. „Als ich von der TU an die FH gekommen bin, habe ich mich voll ins Zeug gelegt und mich gemeldet, als jemand gesucht wurde, der unterrichtet, und hab so eine nähere Beziehung zum Forschungszentrum aufbauen können.“ Dort arbeitet er jetzt an einem Forschungsprojekt zum Thema Meerwasserentsalzung. „Wir haben den natürlichen Wasserkreislauf der Erde – von der Verdunstung über die Abkühlung bis zum Regen – nachgebaut, und untersuchen jetzt, wie dieser Prozess sich unter verschiedenen klimatischen Bedingungen verändert“, fasst er sein Projekt zusammen. Eine Aufgabe, die auch ausrüstungstechnisch einigen Aufwand bedeutet, was aber an der FH seiner Erfahrung nach nie ein Problem war. „Wir sind labortechnisch immer gut ausgerüstet und es ist auch nie ein Problem, Laborplätze zu bekommen“, berichtet er. Darüber hinaus unterstütze die FH Forschungsprojekte auch mit eigenen Budgets, wovon er bereits bei einem früheren Forschungsprojekt profitieren durfte. Gemeinsam mit vier Kolleginnen und Kollegen hat er ein solarbetriebenes Boot entwickelt und gebaut; bisher zwar nur als Modell, aber mit zukunftsträchtiger Technik. „Und auch dafür hat uns die FH ein Budget bewilligt“, erklärt er, wie weit die Förderung des Forschungswillens an seiner FH gehe. Und das nicht nur dann, wenn die Forschung direkt an der FH stattfindet: Gefördert werden Studierende und ihre Projekte auch dann, wenn sich außerhalb der Hochschule Möglichkeiten eröffnen. Wie zum Beispiel im Fall von Christoph Marschallinger, der im vierten Semester des Bachelorlehrgangs „Radiologietechnologie“ an der FH Gesundheitsberufe Oberösterreich studiert – und von Haus aus Zugang zu ganz besonderen Forschungsprojekten hat. „Mein Vater ist Geoinformatiker, hat eine auf 3-D-Modelle spezialisierte Firma und unter anderem an einem Medizinprojekt mitgearbeitet, das Multiple-Sklerose-Herde im Hirn mittels Magnetresonanz sichtbar macht“, erklärt er die Hintergründe. Wodurch sich die Gelegenheit für Vater und Sohn ergab, durch das Auswerten von Patientendaten unter anderem Unterschiede im Krankheitsverlauf von Männern und Frauen herauszufiltern, die dabei helfen, diesen vorherzusagen und entsprechend therapeutisch eingreifen zu können.

Publikation im zweiten Semester

Und obwohl das Projekt eigentlich privat ist, kann sich Marschallinger jetzt über die Unterstützung seiner Fachhochschule freuen: „Ich bin mit den Ergebnissen auf die FH zugegangen und habe gesagt, dass ich gern darüber schreiben würde. Mein Studiengangsleiter war absolut offen für die Idee und hat mich sofort unterstützt.“ Was keineswegs so selbstverständlich ist, wie man meinen sollte: „Ich weiß, dass es oft schwierig ist, wenn man als Student – zumal im zweiten Semester – etwas publizieren möchte, deshalb habe ich mich auch ganz vorsichtig an das Thema herangetastet“, erinnert sich der Nachwuchsforscher. Was aber völlig unnötig war, denn „an der FH wird Eigeninitiative wirklich gefördert und es war überhaupt kein Problem“, berichtet er. Voraussetzungen, für die manche Studierende bereit sind, weite Wege zurückzulegen. So beispielsweise Graciele Batistell, die nach einem Bachelorstudium in ihrer Heimat Brasilien über eine Kooperation an die FH Kärnten kam, um dort ihre Bachelorarbeit zu schreiben. Sie war von den Lehr-, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten an der FH so begeistert, dass sie ein Jahr später zurückkehrte, um den Master in „Integrated Circuit and System Design“ zu machen. Dabei konnte sie von Anfang an hautnah erleben, wie anwendungsbezogen an den Fachhochschulen geforscht und entwickelt wird. „Ich habe vom ersten Semester an in einem Projekt mitgearbeitet, in dem kostengünstige Farbsensoren entwickelt wurden, wie sie etwa für Kameradisplays und in der Autoindustrie verwendet werden“, berichtet sie. „Dieses Projekt ist von Infineon und der FFG ins Leben gerufen worden.“ Anfänglich sind sie nur zu viert in der Projektgruppe gewesen, in der Batistell auch heute noch als Doktorandin arbeitet, später während des Studiums sind neben dem Professor elf Studentinnen und Studenten mit der Entwicklung dieser Sensoren beschäftigt gewesen – „und wir sind alle für unsere Arbeit dort auch bezahlt worden“, verweist sie auf einen angenehmen Nebeneffekt.

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